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«Gott loben, feiern, essen, trinken, lachen.»

Für die Ökumene, die Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen, beginnt in Hergiswil eine neue Zeitrechnung. Die Pfarrer der beiden Landeskirchen haben einen guten Draht zueinander aufgebaut. Katholiken und Protestanten kreieren gemeinsame Plattformen im Lopperdorf.

Was für eine Bedeutung hat die Ökumene in Hergiswil?
Tobias Winkler: Für die Evangelisch-Reformierte Kirche ist Ökumene existenziell, da wir uns im Kanton als Reformierte in der Diaspora befinden. Die Ökumene ist für viele Mitglieder unserer Kirche in dieser Gemeinde ein Herzensanliegen. Mir selbst übrigens auch. Zudem bin ich sehr froh, dass wir in Hergiswil einen ökumenischen Religionsunterricht haben.

Stephan Schonhardt: Ökumene kann nach meiner Überzeugung gelingen, wenn man die bestehenden Unterschiede respektiert. Ich möchte nicht von den Reformierten erwarten, dass sie katholisch werden und umgekehrt. Die Basis gemeinsamer Aktivitäten ist der Glaube an den dreifaltigen Gott, die Heilige Schrift und das Gebet zu Jesus Christus. Aus diesen Gemeinsamkeiten lassen sich viele wunderbare Aktivitäten entwickeln.

Was für Ziele werden mit ökumenischen Aktivitäten verfolgt?
Stephan Schonhardt: Wir können gemeinsam im unseren Gott verehren, seinem Wort in der Heiligen Schrift nachspüren und Gebete an Jesus Christus richten. Schlussendlich geht es auch um den Auftrag, den Jesus uns übertragen hat, nämlich Menschen für ihn zu begeistern und zu gewinnen.

Tobias Winkler: Mit den ökumenischen Aktivitäten können wir konfessionelle Vorurteile abbauen, miteinander – immer in Achtung des jeweiligen konfessionellen Profils – beten, singen, Gott zu loben, feiern, essen, trinken, lachen, über Gott und die Welt zu reden.

Zwischen den Kirchen in Hergiswil gibt es aktuell eine Art Tauwetter, ein neues aufeinander Zugehen.
Stephan Schonhardt: Gelebte Ökumene steht und fällt mit der Sympathie, welche sich die Kirchenverantwortlichen entgegenbringen. In Hergiswil gab es auch eine etwas komplizierte Vorgeschichte, weil versucht wurde, die zwischen den Konfessionen unstreitig bestehenden Unterschiede nicht zu respektieren und zu achten, sondern anzugleichen. Nach seiner Amtseinführung haben Tobias Winkler und ich uns im Pfarrhaus kennengelernt. Wir fanden uns sofort sympathisch, verstehen Ökumene sehr ähnlich. Wir akzeptieren Unterschiede und divergierende Ansichten. Wir arbeiten aber dort zusammen, wo Gemeinsamkeiten bestehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft durch diese Kooperation Synergien nutzen können.

Tobias Winkler: Für viele Kirchenmitglieder beider Konfessionen waren die letzten Jahre sehr hart und schmerzlich, besonders für konfessionell gemischte Ehepaare. Es ist wichtig zu leben, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen miteinander feiern können. Zudem ist es essenziell auszustrahlen, dass beide Konfessionen sich in der politischen Gemeinde Hergiswil in der Dorfgemeinschaft aktiv und gestaltend einbringen. Sie leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl.

Was ist geplant an ökumenischen Aktivitäten in kommender Zeit?
Stephan Schonhardt: Schon seit längerer Zeit gewähren wir einer orthodoxen Glaubensgemeinschaft aus Eritrea Herberge in unserer Pfarrkirche, damit sie dort ihren Gottesdienst feiern können. Mit den reformierten Christen führen wir neuartige Feiern durch. Ein Highlight dürfte eine gemeinsam nach der katholischen Liturgie gefeierte Osternacht sein. Sie startet im Park der Reformierten Kirche mit dem Osterfeuer und endet mit der katholischen Messe in der Pfarrkirche. So feiern wir gemeinsam die Auferstehung Jesu. Ebenfalls nehmen die reformierten Christen an der Alpsegnung teil. Geplant ist überdies ein gemeinsamer Glaubenskurs im Sommer.

Was bedeutet Ökumene für Sie ganz persönlich?
Tobias Winkler: Schon als Kind und Jugendlicher, dann aber ganz besonders in meinem Theologiestudium in Tübingen und München, sowie bei den ökumenischen Kirchentagen ist mir die Ökumene wichtig geworden. Die Beschäftigung mit Mystik, aber auch mit der Befreiungstheologie, der Kontakt zu den unterschiedlichen Klöstern bereichert meine eigene Spiritualität. Ich wünsche mir, dass wir eine ökumenische Lerngemeinschaft werden, einander am jeweiligen Reichtum unserer unterschiedlichen konfessionellen Traditionen teilhaben lassen. Dass wir miteinander staunen, uns aneinander freuen und vor allem ausstrahlen, dass wir alle Schwestern und Brüder in Christus sind.

Stephan Schonhardt: Drei meiner Brüder gehören einer Freikirche an. Einer ist sogar Pastor. Ich habe somit von jeher keine Berührungsängste mit anderen christlichen Konfessionen. Im Gegenteil. Ich weiss, dass wir von anderen Konfessionen lernen können. Bevor ich Pfarrer Tobias Winkler kennenlernte, habe ich bereits mit christlichen Gruppen Kontakt gesucht, so dem christlichen Treffpunkt Stansstad. Mit dem Pastor Christian Stäheli und seiner Gemeinde pflege ich einen freundschaftlichen Kontakt. Mich fasziniert, dass in den Freikirchen so viele junge Menschen mit Begeisterung dabei sind. Was machen sie anders? Sie leben und bauen eine Gemeinschaft, stellen Jesus durch das Gebet in ihren Mittelpunkt, lesen in der Heiligen Schrift, lassen Gott zu sich sprechen. Nun habe ich Tobias Winkler ebenfalls als spirituellen Menschen kennen- gelernt und ich freue mich, dass wir gemeinsam ein Wegstück gehen können. Was daraus werden kann, überlasse ich gerne dem Heiligen Geist. Der Anfang ist gemacht.

Ahy

 

Pfarrer Tobias Winkler (links) und Pfarrer Stephan Schonhardt planen zahlreiche, gemeinsame Aktivitäten. (Bilder: Ahy)

Die Protestantische Kirche von Hergiswil.

Die Katholische Kirche von Hergiswil.